Diese Dissertation zum Namen "Tirol" möchte ich im Rahmen dieser Seiten zur Diskussion stellen, das Thema lohnt allemal, alle Beiträge werden auf diesen Seiten veröffentlicht. E-Mail

Antwort von Elmar Stöttner: HIER
Antwort von Ulrich Lamm: HIER

Woher kommt der Name Tirol?

Ist der Name Tirol ein Name aus der Völkerwanderungszeit?

Versuch einer Namensdeutung durch Horst Pirchl-Hussl


Bis jetzt weiß niemand, woher der Name Tirol kommt. Es gibt nicht einmal brauchbare Hypothesen, außer diese zwei.
Unser Land erhielt seinen Namen vom Schloß Tirol bei Meran. Woher aber das Schloß seinen Namen hat, das ist bis heute ein Rätsel geblieben.
Die Grafen von Tirol nannten sich 1141 erstmals urkundlich "comites Tierolles" oder auch "de Tiral". Sie werden aber schon vorher lange so geheißen haben. Auch die Gegend hieß sicher schon lange davor Tierroll oder Tirol. Manche Forscher glauben, daß der Name aus der vorrömischen Zeit stammt. Die Behauptung, der Name stamme von "terra", lateinisch Land, hat man fallen lassen.

Von Tyr-Odal zu Tyrol ?
Vor Jahren vermutete ich, daß Tirol aus Tyr-Odal entstanden sein könnte. Tyr war ein ostgotischer und langobardischer Kriegsgott, Odal heißt Besitz, Wohnsitz, Erbgut, im Worte Kleinod noch zu finden. Tyrodal würde also heißen, Besitztum Tyrs, oder "dem Tyr geweiht". Tyrodal könnte sich dann zu Tyrol abgeschliffen haben, wie Odalrich (der an Besitz reiche) zu UIrich. Die Schreibweise Tyrol, auch Tyroll, ist vielleicht doch kein Schreibfehler.
Als nord-germanische Heerscharen (Goten und Langobarden waren Nordgermanen) die Feste auf dem Moränenhügel vielleicht mit dem Rufe "TYR", ihrem Kriegsgotte, erstürmten und in Besitz nahmen, haben sie sicherlich auf diesem die Gegend beherrschenden strategischen Hügel ein Heiligtum errichtet und dieses nach ihrem germanischen Gott benannt.

Die Grafen von Tirol, sie wurden für ein besonders altes und edles Geschlecht gehalten, trugen mit Stolz den Namen der altererbten Stammburg, des Schlosses Tirol. Wenn die Stammburg altererbt war, dann reicht dieses Erbe vielleicht bis in die baiuwarische Zeit und dann ist es nicht mehr weit bis zur einstigen gotischen oder langobardischen Herrschaft, und wenn die Grafen den Namen Tirol mit Stolz trugen, dann muß ein tieferer Sinn mythologisch oder religiös im Namen Tirol liegen oder er kann auch mit geschichtlichen Ereignissen verbunden sein.
Häufig findet sich bei den Grafen von Tirol der Name Adalbert, weshalb sie von den Historikern auch "Adalbertiner" genannt werden. Dieses Wort Adal bedeutet "auf Landbesitz beruhende edle Abstammung". Es ist dasselbe Wort wie das erwähnte Odal. Vielleicht ließe sich hier auch eine Beziehung zu Tyr-Odal herstellen. Adal, Adel, edel, Odal und auch Adler haben dieselbe Wurzel.

Von Tyr-Ull zu Tyrol?
Ich habe noch eine Namensdeutung, bei der ebenfalls das Tyr von Tyrol mit dem nordgermanischen Kriegsgott Tyr in Verbindung gebracht wird.
Ich las in dem geschichtlichen Werk "Der Glaube der Ahnen" von Klaus Bemmann, Phaidonverlag, Jahr 1990, daß Tyr auch "Tyr-Ull" genannt wurde.
"Auf Ulls Ring" wurden Eide geschworen. Tyr war auch Rechtsgott. Auch der germanische Gott Wodan hatte den Namen Ull als Beinamen. Die Bedeutung von Ull ist wahrscheinlich "Der Weise", denn "ul" bedeutet Weisheit und ist sprachlich mit "Eule", dem Tier der Weisheit, verwandt. Vielleicht kommt man hier zur Lösung des Namensrätsels, denn aus diesem "Tyr-Ull" könnte man ohne Umwege zum Namen Tyroll, Tyrol gelangen.
Eine solche Herkunft des Namens Tyrol hat zur Voraussetzung, daß der Name Tirol bis ins Frühmittelalter zurückreicht und daß dieses Land, zumindest der die Gegend beherrschende Hügel, auf dem das Schloß Tirol steht, und bei dem man in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts Mauerreste aus dem Frühmittelalter gefunden hat, damals von heidnischen NORD-Germanen erobert worden ist. Beides ist der Fall. Die Goten und Langobarden, die Südtirol im 5. bzw. 6. Jahrhundert eroberten, waren Nordgermanen, die vermutlich ihren Kriegsgott immer noch Tyr nannten, obwohl sie bereits seit Generationen zwischen südgermanischen Stämmen lebten, bei denen dieser Gott Ziu hieß. Sie waren damals schon oberflächlich christianisiert, dennoch war der heidnische Glaube noch immer in beiden Stämmen erwiesenermaßen lebendig. Der Name Tyrol entstand wahrscheinlich, als die Nordgermanen diesen besagten ideal gelegenen Hügel eroberten und ihrem Kriegsgott Tyr dort ein Heiligtum errichteten. Dieser Hügel in hervorragender beherrschender Lage 200 m über dem Meraner Becken mit dem wundervollen andächtig stimmenden Fernblick über das Etschtal war geradezu der ideale Platz für ein germanisches Heiligtum im Vinschgau. Beide meiner Tyrol-Versionen vermuten auf diesem Hügel ein Tyr-Heiligtum.

Die Ostgoten, der Schlüssel zum Tirol-Geheimnis?
Südtirol hat eine ostgotische Vergangenheit. Es war einst Teil des Ostgotenreiches, das seinen Hauptsitz in Ravenna hatte und sich bis zur Donau erstreckte. Die Ostgoten stellten in unserem Raum das Militär, wobei auch für sie die Räter Truppen gestellt haben werden. Die Römer durften hier keine Waffen mehr tragen.
Das Wirken der Ostgoten im Voralpen- und Alpenraum ist bis jetzt wenig gewürdigt worden. Die Ostgoten und ihr König Theoderich stehen nach Meinung mancher Forscher am Beginn der bairischen Geschichte. Durch die ausgleichende Politik Theoderichs soll er viele germanische Stämme erst zum großen Stamm der Baiern vereint haben. Die Baiern waren ein Auffangbecken vieler zerstreuter germanischer Volkschaften. Und in diesem germanischen Völkergemisch der Baiuwaren, die erst im 6.Jahrhundert erwähnt werden, hatten Ostgoten, Rugier, Alemannen und auch Langobarden bevölkerungsmäßig einen großen Anteil.
Grabungen beim Schloß Tirol, so die "Tiroler Tageszeitung" v. 23.3.95, lt. Ferruccio delle Cave, lassen vermuten, daß Schloß Tirol nach den Goten und Langobarden dann baiuwarischer/bairischer Herrschaftssitz war.

In vielen Bereichen finden wir in Südtirol Ostgotisches. Auch in der Südtiroler Sagenwelt kommen die Ostgoten vor. So wird von Dietrich von Bern (Verona) und von seinem Kampf mit König Laurin in der Sage erzählt. Dietrich von Bern wird mit dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen in Verbindung gebracht.
Nordgermanische, gotische Präsenz gibt es auch heute noch rund um das Schloß Tirol, da heutige Südtiroler Bauern in der Meraner Gegend von den Goten abstammen sollen. Nachkommen der Langobarden sind in Tisens-Prissian, das zwischen Meran und Bozen liegt. Die dortigen Langobarden hielten später gute Beziehungen zu den Baiern.

Wenn so viel Gotisches sich in Südtirol erhalten hat, warum nicht auch aus dieser Zeit Namen von dominierendem Gelände, wie dem Moränenhügel, auf dem heute das Schloss Tirol steht?

Im Jahre 552 n. Chr. wurden die Goten in Italien von den byzanthinischen Truppen geschlagen. Dem Rest des Stammes wurde freier Abzug gewährt. Teile der Ostgoten liessen sich darauf im heutigen Österreich und Südtirol nieder. Die Haflingerpferde sollen ostgotische Krieger 555 n. Chr. in Südtirol zurückgelassen haben. Andere meinen, die Haflingerpferde seien nach einem Kreuzzug nach Südtirol gekommen.


Das Schloss Tirol und der rote Adler am Schloss Tirol
Das Schloss Tirol und der rote Adler am Schloss Tirol, geben sie Hinweise zur Namensdeutung Tirols? Für die Annahme der Errichtung eines dem langobardischen und gotischen Kriegsgotte Tyr geweihten Heiligtums spricht auch, daß das Schloß Tirol auf den Resten einer christlichen Kirche, früher meinte man einem Nonnenkloster, errichtet worden ist, denn bei der Christianisierung wurden die germanischen Heiligtümer mit Vorliebe durch Errichtung von Kirchen und Klöstern umfunktioniert. Übrigens befindet sich auf Schloß Tirol am Portal der Kapelle ein eindeutig heidnisches Motiv. Ein riesiger Wolf verschlingt eine Menschengestalt. Es ist dies der Fenriswolf, der in der Schlacht der Götterdämmerung den germanischen Gott Wodan verschlingt. Als Zeugnis für den Untergang der germanischen Götter und dem Sieg des Christentums war dies bei den Christen ein beliebtes Thema. Das Weltungeheuer Fenriswolf hatte der Legende nach auch dem Gotte Tyr die rechte Hand abgebissen.

Unser Land Tyrol hat seinen Namen wahrscheinlich aus der gotischen und langobardischen Götterwelt. Wahrscheinlich von dort auch seinen "Roten Adler". Die Grafen von Tirol verwendeten ihn bereits. Der Tiroler Uradler ist am Schloss Tirol abgebildet. Vielleicht ist der rote Tyroler Adler ein Symbol für den Gott Tyr, denn die Farbe dieses Kriegs- und Gerichtsgottes Tyr war auch rot.
Allgemein gilt der Adler als Symbol der Herrschaft und des Göttlichen. So auch bei den Germanen. Der Aar war bei ihnen Gottes- und Sonnensymbol.
Eindeutig war der Adler eines der Kampfsymbole für das germanische Heidentum, ganz besonders bei den Goten. Von den Christen wurde er später umgedreht und sollte nun Christus und die "Auferstehung" symbolisieren.
Dem Tyr war auch eine Rune (Buchstabe Tyr-Rune) geweiht, die einen Pfeil mit der Spitze nach oben darstellte und den Lautwert "T" hatte.

Die Menschen haben im Laufe der Zeiten vielleicht sehr bald den ursprünglichen Sinn des Namens "Tyrol" vergessen, den gut klingenden Namen Tirol aber behalten bis in unsere Zeit. Woher der Name Tirol kommt, kann heute nicht einwandfrei festgestellt werden, aber es könnte so gewesen sein, wie hier geschildert.
Horst Pirchl-Hussl

Mein Tirolbezug:
Mein Ur-Ur-Ur-Großvater (väterlicherseits) hiess Nikolaus Hussl. Er war der Besitzer des 1809 umkämpften Hussl-Hofes auf dem Berg-Isel. Sein Neffe war der Schwazer Martin Hussl, Majolikafabriksbesitzer, Landsturmführer und militärischer Berater Andreas Hofers. Martin Hussl gehörte zur "Alten Garde" Andreas Hofers. Er hatte maßgeblichen Anteil am Gelingen der Berg-Isel-Schlachten vom 26. und 29. Mai 1809, weil nur durch seinen hinhaltenden Abwehrkampf in Schwaz, das am 15. Mai als Vergeltung niedergebrannt wurde, der Aufmarsch der Tiroler am Berg Isel ermöglicht wurde.

 



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